Papierlose Schulen - Südkorea nimmt Kindern die Bücher weg
Die Schüler-Ausrede "Heft zu Hause vergessen" hat in Südkorea bald ausgedient. In einem gigantischen Projekt wird das dortige Bildungssystem digitalisiert. Das Projekt ist auch ein Geschenk an die heimischen IT-Konzerne. von Annette Berger
Mit einem radikalen Plan will die Regierung Südkoreas das Lernen in den heimischen Schulen radikal umstellen. Bis 2014 sollen gedruckte Bücher aus Grundschulen verschwinden, ein Jahr später auch aus den weiterführenden Schulen.
Das berichten mehrere Medien und berufen sich dabei auf Pläne der Staatsführung in Seoul. Diese stecke umgerechnet 1,4 Mrd. Dollar in die Digitalisierung von Lehrinhalten und den Kauf von Rechnern für Schulen und Schüler. Zwar gibt es weltweit Trends, mehr digitale Medien im Unterricht zu verwenden, vergleichsweise stark beispielsweise in den USA. In Deutschland ist man vielerorts noch nicht so weit, es gibt aber vereinzelte Projekte. So machte jüngst das oberbayerische Nobel-Internat Schloss Neubeuern im Kreis Rosenheim Schlagzeilen, das ab der 9. Klasse auf Hefte, Bücher und altmodische Schreibstifte verzichtet - unter dem Motto "Die Kreidezeit ist vorbei". Der Vorstoß der Asiaten gilt jedoch als besonders radikal, weil ein ganzes Land seinen Schulen auf einen Schlag das Papier abgewöhnen will. Die Hightech-Industrie Südkoreas dürfte jubeln, wurde am Dienstag in Blogs und auf Nachrichtenwebsites spekuliert. Denn Seoul wolle jede Menge Tablet-Computer anschaffen. Und da werde man sich wohl weniger auf Produkte des US-Herstellers Apple besinnen, sondern vielmehr auf heimische Geräte, etwa von Samsung. Dessen Galaxy Tab gilt als einer der ernsthafteren iPad-Rivalen. Auch Konkurrent LG brachte jüngst einen Tablet-PC heraus, der gegen den Flach-PC des kalifornischen Computerkonzerns antritt.
Ihr Lernmaterial sollen Schulen in Südkorea über eine Datenwolke, eine sogenannte Cloud verteilen, also über eine IT-Infrastruktur, in der alle Inhalte gespeichert werden. Damit würden auch die Ranzen der Kinder leichter - und sie könnten sich von zu Hause Inhalte und Aufgaben herunterladen. Doch jede neue Technik bringt auch Probleme mit sich. Was etwa ist mit den Kindern, die ihre nicht vorhandenen Hausaufgaben bisher mit der Ausrede "Heft vergessen" entschuldigen? Sie müssen sich etwas Neues einfallen lassen. Wie wäre es mit "W-Lan kaputt" oder "Wolke verpufft"?
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| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 05. August 2011 um 14:57 Uhr |